Zen – Was ist das?

Essenz des Zen

Die Essenz des Soto-Zen, die zurück geht auf den berühmten japanischen Zen-Meister Dogen Zenji (1200-1253), besteht in ihrem Kern in der Ausübung einer korrekten Meditation:  dem Zazen. Zazen ist, in einer aufrechten Haltung tiefer Konzentration einfach zu sitzen. „Einfach“ heißt, die Vitalität von Körper und Geist sind intensiv gesammelt, konzentriert, versenkt in die Zazen-Haltung. Körper und Geist können dadurch völlig wach und wie eins in der kraftvollen Stille der gegenwärtigen Zeit zentriert sein. Unser individuelles Dasein wird so wieder im Urgrund des Lebens verankert. Körper und Geist können aus einer inneren Quelle schöpfen, sich selbst erneuern, und werden unabhängig vom Erreichenmüssen eines Ziels, einer äußeren Bestätigung.

Die Begrenzung durch ein Bewusstsein, das alles zählen und messen muss und immer auf der Suche nach persönlichem Gewinn ist, kann abfallen. Leben offenbart sich dann in seiner unmittelbaren, ursprünglichen Qualität. Die Zazen-Haltung besteht darin, auf einem Kissen mit gekreuzten Beinen in aufrechter, natürlicher Haltung zu sitzen. Die Aufmerksamkeit wird auf die Spannkraft der Haltung und eine lange Ausatmung konzentriert.

Im Raum des gesammelten Geistes auftauchende Gedanken und Bilder werden weder zurückgewiesen noch beurteilt, noch verfolgt. Bewusstsein und Unterbewusstsein können sich entleeren. Körper und Geist kehren so zu ihrer ursprünglichen, ungetrübten Verfassung zurück. Zen ist in seinem Wesen Erfahrung einer tieferen Qualität der Wirklichkeit. Diese Erfahrung gründet sich auf Ausübung und kann durch das Denken weder vorweggenommen noch ersetzt werden. Worte und Begriffe können die lebendige Wirklichkeit nicht wirklich einfangen.

Der Zen-Weg ist Aktualisierung einer tieferen Wirklichkeit durch Ausübung.

 

Zen Dojo

Das Zen-Dôjô ist der Ort der Übung des Zen-Weges. Aufgrund der Übung von Zazen herrscht eine kraftvolle, von Stille durchdrungene Atmosphäre, das „Schweigen der Berge“. Wenn man das Dôjô betritt, ist es wesentlich, alle Handlungen mit konzentrierter Aufmerksamkeit zu tun, hier und jetzt. Man geht zu seinem Platz, drückt durch Gasshô seinen Respekt und Dank gegenüber den anderen aus, setzt sich auf sein Kissen und beginnt mit Zazen. Im Dôjô werden alle zu „Menschen des Weges“, unabhängig von Geschlecht und Rasse, sozialer Stellung etc.

Im Mittelpunkt stehen Zazen-Praxis und gemeinsame Übung. Im Dôjô ist es nicht wichtig, der Erste zu sein, oder sich von den anderen abheben zu wollen. Man ist mit sich allein und doch mit den anderen, mit allem verbunden. Unbewusst, natürlich, vor dem Denken, kann man so die wechselseitige Abhängigkeit aller Dinge untereinander erahnen, durch den ganzen Körper, die eigenen Knochen und Sehnen, mit jeder Körperzelle. Durch die Praxis des Zazen im Dôjô, die Achtsamkeit und Aufmerksamkeit in jeder Handlung, findet das Gehirn sein tiefes, ursprüngliches Gleichgewicht wieder, das Bewusstsein wird ruhig, tief, umfassend.

Ein solcher Geist kann das Leben in Freiheit lenken, statt durch Wünsche und Ängste bestimmt zu werden. Wir können die Hast und Unsicherheit, die uns nicht zur Ruhe kommen lässt, ablegen. Wenn uns diese Praxis in Fleisch und Blut übergeht, so ist das Dôjô kein irgendwo begrenzter Ort, sondern durch diese Geisteshaltung wird unser tägliches Leben zum Dôjô, zu unserem authentischen Lebensweg.